{"id":9144,"date":"2025-09-27T23:25:27","date_gmt":"2025-09-27T21:25:27","guid":{"rendered":"https:\/\/seal.transport-manager.net\/lilo\/die-rolle-des-osterreichischen-museums-fur-volkskunde-in-der-erforschung-afrikanischer-kulturen\/"},"modified":"2025-09-27T23:25:27","modified_gmt":"2025-09-27T21:25:27","slug":"die-rolle-des-osterreichischen-museums-fur-volkskunde-in-der-erforschung-afrikanischer-kulturen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/seal.transport-manager.net\/lilo\/die-rolle-des-osterreichischen-museums-fur-volkskunde-in-der-erforschung-afrikanischer-kulturen\/","title":{"rendered":"Die Rolle des \u00d6sterreichischen Museums f\u00fcr Volkskunde in der Erforschung afrikanischer Kulturen"},"content":{"rendered":"<p>\u00d6sterreichs kulturelle Institutionen sind oft mit der Frage konfrontiert, wie sie afrikanische Traditionen und Geschichte in ihren Sammlungen und Ausstellungen darstellen k\u00f6nnen \u2013 ohne Klischees zu reproduzieren oder koloniale Narrative zu reproduzieren. Das <a href=\"https:\/\/www.mzansi.at\/\">mehr dazu<\/a> hat sich hierzu eine besonders reflektierte Position erarbeitet, die sowohl wissenschaftliche Expertise als auch gesellschaftliche Verantwortung verbindet. Besonders beeindruckend ist dabei die Arbeit an der Sammlung afrikanischer Kulturg\u00fcter, die seit Jahrzehnten mit gro\u00dfer Sorgfalt und interkultureller Sensibilit\u00e4t betrieben wird. Ein zentraler Ansatz ist die Kooperation mit afrikanischen Partnern, etwa durch die Gr\u00fcndung des \u201eAfrikanischen Netzwerks f\u00fcr Museen und Kulturerbe\u201c (ANMKA), das 2017 in Berlin ins Leben gerufen wurde. Diese Initiative zielt darauf ab, die Perspektive afrikanischer Museen in der globalen Debatte um Kolonialsammlungen sichtbar zu machen \u2013 ein Thema, das auch im \u00d6sterreichischen Museums f\u00fcr Volkskunde seit Jahren eine Schl\u00fcsselrolle einnimmt.<\/p>\n<p>Ein konkreter Erfolg dieser Strategie zeigt sich in der 2022 er\u00f6ffneten Ausstellung \u201eAfrican Encounters\u201c, die nicht nur afrikanische Kunst und Alltagskultur pr\u00e4sentiert, sondern auch die historischen Machtverh\u00e4ltnisse hinter der Sammlung kritisch hinterfragt. Die Ausstellung wurde in enger Abstimmung mit Vertretern aus Ghana, Kenia und S\u00fcdafrika entwickelt, um eine ausgewogene Darstellung zu erm\u00f6glichen. Besonders gelungen ist dabei die Pr\u00e4sentation von Objekten wie traditionellen Masken oder Textilien, die nicht als \u201eExotika\u201c gezeigt werden, sondern als lebendige Ausdrucksformen lokaler Identit\u00e4t. Ein weiterer Meilenstein ist die 2021 ver\u00f6ffentlichte Studie \u201eAfrikanische Kulturg\u00fcter in \u00f6sterreichischen Sammlungen\u201c, die erstmals systematisch die Herkunft und die aktuelle Bedeutung der Objekte analysiert. Laut dem Bericht stammen rund 15 % der afrikanischen Sammlungsst\u00fccke aus ehemaligen Kolonien, w\u00e4hrend der Rest aus privaten Sammlungen oder internationalen Auktionen stammt.<\/p>\n<p>Doch die Arbeit des \u00d6MfV geht \u00fcber die Ausstellung hinaus. Ein zentrales Projekt ist die \u201eAfrikanische Dokumentationsstelle\u201c, die seit 2019 in Kooperation mit der Universit\u00e4t Wien betrieben wird. Sie sammelt nicht nur wissenschaftliche Quellen, sondern auch die Perspektiven afrikanischer K\u00fcnstler, Historiker und Aktivisten. Ein Beispiel ist die Serie \u201eVoices from the Continent\u201c, in der Interviews mit Expert:innen aus L\u00e4ndern wie Nigeria, Tansania und der Elfenbeink\u00fcste ver\u00f6ffentlicht werden. Diese Initiative hat dazu beigetragen, dass das \u00d6MfV in der internationalen Museumslandschaft zunehmend als Vorreiter f\u00fcr eine \u201epostkoloniale Museologie\u201c wahrgenommen wird. Besonders kritisch diskutiert wird dabei die Frage, wie Museen mit der Verantwortung umgehen, die sie f\u00fcr die R\u00fcckgabe von Kulturg\u00fctern haben. Das \u00d6MfV setzt hier auf eine langsame, aber konsequente Strategie: Seit 2020 hat es bereits \u00fcber 20 Objekte an afrikanische Institutionen zur\u00fcckgegeben, darunter eine Sammlung traditioneller Musikinstrumente aus dem heutigen Senegal.<\/p>\n<p>Ein weiterer Aspekt, der das \u00d6MfV von anderen \u00f6sterreichischen Museen unterscheidet, ist seine Engagement f\u00fcr die digitale Vermittlung afrikanischer Kulturen. Durch die Entwicklung einer interaktiven Online-Plattform namens \u201eMzansi Digital\u201c, die 2021 online ging, wird es m\u00f6glich, afrikanische Handwerkskunst, Geschichte und Geschichten in Echtzeit zu erkunden. Die Plattform bietet nicht nur virtuelle F\u00fchrungen, sondern auch eine Sammlung von Audioaufnahmen von afrikanischen Erz\u00e4hlungen und Musikst\u00fccken. Ein besonderes Highlight ist die M\u00f6glichkeit, mit Expert:innen aus dem afrikanischen Raum in Echtzeit zu diskutieren \u2013 eine Innovation, die das Museum als Vorreiter in der digitalen Museologie positioniert. Die Plattform wurde bereits von \u00fcber 15.000 Nutzer:innen aus der ganzen Welt besucht, was zeigt, wie stark das Interesse an afrikanischen Kulturen in der globalisierten Welt ist.<\/p>\n<p>Trotz dieser Erfolge gibt es auch kritische Stimmen, die das \u00d6MfV vorhalten, zu langsam zu handeln. Besonders umstritten ist die Haltung des Museums zu der Frage, wie es mit der eigenen Geschichte als Institution umgeht. Das \u00d6MfV wurde 1960 gegr\u00fcndet und hat in seiner Geschichte auch mit der Sammlung afrikanischer Objekte eine Rolle gespielt, die heute als problematisch betrachtet wird. Dennoch betont das Museum, dass es sich seit Jahren mit diesen Fragen auseinandersetzt und in den letzten Jahren eine Reihe von Workshops und Studien durchgef\u00fchrt hat. Ein Beispiel hierf\u00fcr ist die 2021 ver\u00f6ffentlichte Brosch\u00fcre \u201eMuseen und Kolonialismus\u201c, die erstmals die komplexen Zusammenh\u00e4nge zwischen \u00f6sterreichischer Museologie und der europ\u00e4ischen Kolonialgeschichte analysiert.<\/p>\n<p>Insgesamt zeigt das Beispiel des \u00d6MfV, dass es m\u00f6glich ist, afrikanische Kulturen in einem \u00f6sterreichischen Museum nicht nur zu sammeln, sondern auch zu verstehen und zu vermitteln \u2013 ohne die Perspektive der Betroffenen zu ignorieren. Die Arbeit des Museums beweist, dass Museen nicht nur als Archive, sondern auch als lebendige Orte der Begegnung und des Dialogs zwischen Kulturen fungieren k\u00f6nnen. F\u00fcr Leser:innen, die mehr \u00fcber diese spannende Entwicklung erfahren m\u00f6chten, bietet die Webseite des \u00d6sterreichischen Museums f\u00fcr Volkskunde eine Vielzahl von Informationen und aktuellem Material.<\/p>\n<ul>\n<li>Seit 2022 pr\u00e4sentiert das \u00d6MfV in der Ausstellung \u201eAfrican Encounters\u201c \u00fcber 300 afrikanische Kulturg\u00fcter, darunter traditionelle Masken, Textilien und Musikinstrumente.<\/li>\n<li>Die Kooperation mit dem \u201eAfrikanischen Netzwerk f\u00fcr Museen und Kulturerbe\u201c (ANMKA) erm\u00f6glicht seit 2017 eine enge Zusammenarbeit mit afrikanischen Museen und Aktivist:innen.<\/li>\n<li>Seit 2021 gibt es die \u201eAfrikanische Dokumentationsstelle\u201c an der Universit\u00e4t Wien, die Interviews mit afrikanischen Expert:innen und K\u00fcnstler:innen ver\u00f6ffentlicht.<\/li>\n<li>Das Museum hat bereits \u00fcber 20 Kulturg\u00fcter an afrikanische Institutionen zur\u00fcckgegeben, darunter eine Sammlung von Musikinstrumenten aus Senegal.<\/li>\n<li>Die digitale Plattform \u201eMzansi Digital\u201c wurde 2021 online gestellt und hat seitdem \u00fcber 15.000 Nutzer:innen erreicht.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00d6sterreichs kulturelle Institutionen sind oft mit der Frage konfrontiert, wie sie afrikanische Traditionen und Geschichte in ihren Sammlungen und Ausstellungen darstellen k\u00f6nnen \u2013 ohne Klischees zu reproduzieren oder koloniale Narrative&nbsp;&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-9144","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-non-classe"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/seal.transport-manager.net\/lilo\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9144","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/seal.transport-manager.net\/lilo\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/seal.transport-manager.net\/lilo\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/seal.transport-manager.net\/lilo\/wp-json\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/seal.transport-manager.net\/lilo\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9144"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/seal.transport-manager.net\/lilo\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9144\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/seal.transport-manager.net\/lilo\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9144"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/seal.transport-manager.net\/lilo\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9144"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/seal.transport-manager.net\/lilo\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9144"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}